Hamstern – Wer hat mehr?

Mengen vergleichen, Unterschiede bestimmen, Anzahlen handelnd erfassen (Klasse 1)

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Didaktischer Hintergrund

Der Vergleich von Mengen gehört zu den ganz frühen mathematischen Erfahrungen, die Kinder machen, lange bevor sie die geschriebene Sprache der Mathematik kennen. Welcher Teller hat mehr Kekse? Wer hat die meisten Murmeln? Bei welcher Mannschaft sind mehr Kinder? Solche Alltagsfragen sind längst nicht so trivial, wie sie scheinen. Sie verlangen das Erfassen einer Menge, das Behalten dieser Anzahl im Gedächtnis, das Erfassen einer zweiten Menge und schließlich das Setzen beider Mengen in Beziehung. Im Anfangsunterricht ist der Mengenvergleich daher einer der wichtigsten Lerngegenstände überhaupt – und einer der anspruchsvollsten. Die Lern-App „Hamstern – Wer hat mehr?" stellt genau diese Lernhandlung in den Mittelpunkt.

Das Spielprinzip ist denkbar einfach und gerade darin liegt seine Stärke. Der Computer würfelt eine Augenzahl, das Kind würfelt ebenfalls. Beide legen ihre Anzahl als Plättchen ab. Anschließend soll das Kind herausfinden, wer mehr hat, und zwar nicht durch eine vom Computer präsentierte Lösung, sondern durch eigene Handlung. Es markiert die überzähligen Plättchen, beantwortet die Frage „Wer hat mehr?" und gibt damit Auskunft über sein Verständnis. Das Hamster-Motiv gibt dem Vergleichen eine spielerische, motivierende Rahmung: Wer mehr hat, hat besser gehamstert. Die mathematische Anstrengung liegt jedoch tief im Spiel verborgen und entfaltet sich ohne Druck.

Ein zentrales didaktisches Anliegen der App ist es, zwei wichtige Lernhandlungen bewusst NICHT zu automatisieren. Erstens muss das Kind seine gewürfelte Anzahl selbst als Plättchenmenge legen – durch Ziehen aus einem Vorrat. Damit verknüpft es die symbolische Augenzahl mit einer realen Menge und vollzieht jene Mengenrepräsentation, die Voraussetzung für tragfähiges Zahlverständnis ist. Zweitens markiert das Kind den Unterschied selbst – es klickt jene Plättchen an, die in der größeren Menge überzählig sind. Damit konkretisiert es den abstrakten Begriff der „Differenz" als sichtbare Teilmenge. Diese beiden Eigenleistungen sind das didaktische Herzstück der App. Der Computer dagegen handelt automatisch und dient als Mitspieler, nicht als Vorbild.

Die App fördert systematisch die drei Repräsentationsebenen, die in der Grundschulmathematik untrennbar zusammengehören. Auf enaktiver Ebene legt das Kind Plättchen, ordnet sie an und markiert überzählige. Auf ikonischer Ebene sieht es die Mengen nebeneinander und kann sie optisch vergleichen. Auf symbolischer Ebene werden die Anzahlen genannt und der Unterschied als Differenz formuliert. Eine sprachliche Begleitung über eine optionale Sprachausgabe verbindet diese Ebenen und unterstützt insbesondere Kinder mit eingeschränkter Lesefähigkeit oder mit Schwierigkeiten in der mathematischen Sprache.

Didaktisch-methodische Hinweise

Die App eignet sich vorrangig für das erste Schuljahr und kann in jeder Phase des Zahlenraumerwerbs eingesetzt werden. Über den Lehrkräfte-Bereich lässt sich der Zahlenraum auf 10, 20 oder 30 einstellen. Damit begleitet die App den Aufbau der Zahlvorstellungen von den ersten Wochen des Schuljahres bis hin zum Ende der ersten Klasse. Auch im zweiten Schuljahr kann sie noch sinnvoll eingesetzt werden, etwa um den Mengenvergleich im erweiterten Zahlenraum zu festigen oder um Kindern mit besonderem Förderbedarf eine ruhige Übungsumgebung zu bieten.

Methodisch lebt die App vom langsamen, bewussten Arbeiten. Kinder sollten nicht hastig viele Runden spielen, sondern jede Runde als kleine Forschungsaufgabe begreifen. Bewährt haben sich Begleitfragen wie „Wer hat zuerst seine Anzahl gelegt?", „Schau noch einmal genau: Wie viele Plättchen liegen wirklich vor dir?", „Wo siehst du den Unterschied?", „Wie viele Plättchen sind überzählig?". Solche Fragen lenken die Aufmerksamkeit auf die mathematische Substanz und verhindern, dass das Spiel nur zu einer Reizfolge wird. Die App selbst gibt Rückmeldung, ohne die Lösung vorschnell preiszugeben.

Ein besonderer methodischer Wert liegt im Klassengespräch nach dem Spiel. Welche Strategien haben die Kinder entwickelt? Wer hat die Plättchen in Fünferreihen gelegt? Wer hat eins-zu-eins zugeordnet, um den Unterschied zu finden? Wer hat schon ohne Zählen erkannt, dass eine Fünferreihe mehr ist als drei Plättchen? Solche Reflexionen machen die unterschiedlichen Denkwege der Kinder sichtbar und fördern die Kommunikation über Mathematik. Die App kann dabei auch über den Beamer im Klassenmodus eingesetzt werden – ein eigener Modus „Klasse gegen Computer" stellt diese Spielform bereit.

Die App ist hervorragend für Stationenarbeit, Partnerarbeit und individuelles Üben geeignet. In der Partnerarbeit, in der ein Kind gegen den Computer spielt und ein zweites Kind beobachtet und kommentiert, entstehen besonders reichhaltige Lerngelegenheiten. Das beobachtende Kind übernimmt eine Prüfungsrolle und muss seine eigenen Vorstellungen mit den Handlungen des spielenden Kindes vergleichen. Auch für den Förderunterricht ist die App geeignet, weil sie auf jegliche Zeitvorgaben verzichtet und Fehler nicht sanktioniert, sondern als Anlass zum Nachdenken nimmt.

Ein weiterer methodischer Aspekt ist die Anschlussfähigkeit an Sachunterricht und Sprachbildung. Die Hamster-Metapher bietet einen natürlichen Sprechanlass – warum hamstert ein Hamster, wie viel passt in seine Backentaschen, wie viel Vorrat braucht er für den Winter? Solche Fragen verbinden die mathematische Lernhandlung mit Sachwissen und Lebenswelt. Auch begrifflich trägt die App zur sprachlichen Bildung bei. Begriffe wie „mehr", „weniger", „gleich viele", „Unterschied", „Hamsterpunkte" werden konsequent verwendet und durch die Sprachausgabe akustisch unterstützt.

Insgesamt versteht sich die App als digitales Werkzeug für eine bedeutungsorientierte Arithmetik im Anfangsunterricht. Sie ersetzt das Arbeiten mit echtem Material nicht, sondern ergänzt es um eine ruhige, gestaltete Übungsumgebung mit eingebauter Rückmeldung. Wo Wendeplättchen, Murmeln und reale Vergleiche immer im Vordergrund stehen sollten, bietet die App den Vorteil einer immer verfügbaren, dosierten und individuell anpassbaren Lerngelegenheit, die die zentrale Lernhandlung – das Vergleichen zweier Mengen – in den Mittelpunkt stellt und nicht aus den Augen verliert.

Klassenstufen

Klasse 1 (Anfangsunterricht); Zahlenraum über Lehrkräfte-Bereich auf 10, 20 oder 30 einstellbar.

Einsatz im Unterricht

Mengenvergleich, Unterschiedsbestimmung, Anzahl­erfassung, Partnerarbeit, Stationenlernen, Klassenmodus „Klasse gegen Computer"

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